Heilpflanze Bachbunge

Die Bachbunge (Veronica beccabunga) gehört zur Familie der Braunwurzgewächse. Man findet sie in Wassergräben, Bächen und Quellen, auch am Ufer von Teichen und Seen kommt sie vor und bevorzugt kühle Gewässer.

Geschichte: Der Name Bachbunge stammt von dem mittelhochdeutschen Wort `Bunge´ ab welches Knolle bedeutet. Damit sind die aufgedunsenen Fruchtkapseln gemeint, da die Pflanze keine verdickten Wurzelknollen besitzt. Schon im Mittelalter gab es für die Pflanze die verschiedensten Anwendungen. Hildegard von Bingen bezeichnete sie als Pungo und empfahl die Bachbunge in einer Mehlschwitze gedünstet einzunehmen bei Verstopfung, gichtartigen Beschwerden und Hämorrhoiden. Hieronymus Bock beschrieb sie als eine sehr hilfreiche Heilpflanze gegen Wassersucht, Blasensteine, Skorbut, Ruhr und Würmer. Äußerlich angewandt soll sie seiner Meinung nach ein geeignetes Mittel gegen Fieber, Masern, Flecken im Gesicht und Geschwüre sein. Bock schrieb zur Bachbunge folgendes:

Wiewol die Bachbunge feuchter Natur, ist sie doch auch warmer eigenschaft, gleich dem Brunkressen, mögen nützlich in der Speiß und auch ausserhalb zu der Arzney erwählet werden. Bachbunge ist zwar warmer und truckner natur, wie der Brunnenkreß: aber vielringer. Man hat in den Apotecken das gebrante Wasser, welches man zu beförderung deß harns, zermalmung deß Steins, verstopffung des Milzes und tödtung der Bauchwürme gebraucht. In den orten, da der Schorbuck (Skorbut) gemein, pflegt man davon auch einen Syrup zu zurichten, welchen man Syrup Scelotyrbicum nennet. Mag mit dem Wasser gebraucht werden. Bachbunge, so sie noch zart und jung sei, mag man sie, als Brunnenkreß zum Salat brauchen. Dann die kräutter also in der Speiß genützt, zermalen den Blasenstein, treiben den harn, führen auß die todte geburt und andere Frauen blödigkeit (Frauenbeschwerden). Bachbunge ist auch gut wider die dunkele Augen, Milzsucht, Mißfarb und anfahende Wassersucht, tödtet die Bauchwürm. Bachbunge gestossen und mit rotem saurem Wein, oder Geißmilch, darinnen glüende kißlingstein abgelöschet seind, getruncken, stillet die rote Ruhr und alle Bauchflüß. Für alle geschwulst und wild Fewr mag man Bachbunge zuvor in Eßig und Butter geröstet, warm aufflegen und jederweilen erneuren. Die Pferdt Arzet brauchen die Bachbunge hefftig, zu aller geschwulst, und treiben vil wunder darmit. Bachbungen Blätter grün zerstossen und ubergelegt, oder den safft darvon angestrichen und morgens wider mit Wasser, darinn Gersten und Kleyen gesotten, abgewaschen, vertreibet Masen und Flecken im Angesicht.

Mit der Zeit verblasste die hohe Wertschätzung die der Bachbunge im Mittelalter und der Renaissance entgegengebracht wurde. 1795 wurde ihr ein längerer Artikel von Johann A. Murray im Vorrath von einfachen, zubereiteten und gemischten Heilmitteln gewidmet. Er bezweifelte darin die überlieferten Heilerfolge und beschrieb sie ausschließlich als ein gutes Mittel gegen Skorbut. Nach seinen Ausführungen zur Bachbunge verblaßt ihr Ruhm zusehends. Philipp Lorenz Geiger empfahl im Handbuch der Pharmacie 1835 den frischen Blätter-Saft als Frühlingskur und die äußerliche Anwendung bei Wunden. Danach wurde sie kaum noch erwähnt. Man sucht sie heute in vielen Kräuterbüchern vergeblich. Als Nutzpflanze wurde sie von Leonhart Fuchs (1543) erwähnt. Er empfahl die Blätter zusammen mit Brunnenkresse zum Salat. In einigen Gebieten war es Bestandteil des Gründonnerstagsgemüses. Die Bachbunge ist möglicherweise die geheimnisvolle Pflanze Samolus der keltischen Druiden. In Bayern wurde die Pflanze als Liebesorakel verwendet: Wenn ein Mädchen in der Thomasnacht (21. Dezember) drei Handvoll Bachbunge unter das Kopfkissen legt, dann wird ihm im Traum der zukünftige Ehemann erscheinen.

Volkstümliche und andere Namen: Bachbungen-Ehrenpreis, Bach-Ehrenpreis, Quell-Ehrenpreis

Standort: Man findet die Bachbunge in Quellen, Bächen und in Wassergräben, auch am Ufer von Teichen und Seen kommt sie vor. Sie bevorzugt kühle Gewässer. Sie ist in Forellenbächen eine beliebte Wasserpflanze. An den untergetauchten Pflanzenteilen leben Larven. Meist steht sie in Gewässern halbuntergetaucht.

Pflanzenbeschreibung: Sie ist eine mehrjährige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 60 cm, sie besitzt ein kriechendes Rhizom. Der Stengel ist hohl. Er ist zylindrisch und fleischig. Die etwas fleischigen, vorne Stumpfen und abgerundeten Blätter sind elliptisch geformt. Die unteren sind gestielt. Der Blattrand ist gesägt. Den Blattachseln entspringen traubige Blütenstände bestehend aus 20 bis 25 Blüten. Die Blüten sind himmelblau und haben einen Durchmesser von 5 bis 8mm. Die Pflanze büht von Mai bis September. Die Fruchtkapseln sind 3 bis 4 mm groß und in ihrer Form mit Heidelbeeren zu vergleichen.

Hauptanwendungsgebiete:

  • Gicht
  • Geschwüre
  • Fieber
  • Hämorrhoiden
  • Verstopfung

Heilanzeigen:

  • blutreinigend
  • schleimlösend
  • harntreibend
  • schweisstreibend

Inhaltsstoffe:

  • Aucubin
  • Bitterstoff
  • Vitamin C
  • Gerbsäure
  • Ätherisces Öl
  • Gerbstoff

Verwendete Pflanzenteile:

  • blühendes Kraut
  • Blätter für Salat

Anbautipps:

  • nasse Böden, auch wechselfeuchte
  • Erde sollte schwach sauer und nährstoffhaltig sein
  • hat gerne viel Licht
  • verträgt grosse Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede

Sammelzeit:

  • März bis Juni

Sammeltipps:

  • für Salat am besten nur junge Blätter sammeln
  • man verwendet sie auch sonst eher frisch

!!!Manchmal befinden sich Larven vom Großen Leberegel auf den Bachbungenblättern, dies ist ein Parasit, der Vieh befallen kann. Sollte der Bach an dem die Bachbunge gesammelt wird bereits Weiden durchflossen haben, ist ein Befall möglich. Diese Blätter dann am besten vorher abkochen!!!

Anwendungen:

Saft:

Da die Blätter sehr dickfleischig sind, eignen sie sich sehr gut zur Bereitung eines Frischsaftes. Mehrmals tägl. einen Teelöffel eingenommen hilft er beim Abführen und wirkt harntreibend. Er ist auch als Frühjahrskur gegen Vitaminmangel und Müdigkeit geeignet.

Er eignet sich auch als Frühjahrskur gegen Müdigkeit und Vitaminmange

Tinktur:

Man kann aus den frischen Blättern eine Tinktur ansetzen.

Davon nimmt man dreimal täglich 10 bis 50 Tropfen.

Küche:

Für Salate sind die Blätter der Bachbunge sehr gut geeignet.


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